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Wissenschaftlicher Bericht

Labeotropheus fuelleborni [1]

Der Endemit aus dem Malawi-See erreicht eine Größe von etwa 15 cm. Im Gegensatz zu ihren anschließend beschriebenen Verwandten [2] werden die Tiere wesentlich höher, dabei bezieht sich die Höhe auf die Rücken- und die weiter durchhängende Bauchpartie. Dadurch unterscheidet sich der „Schabemundbuntbarsch“ vor allem von seinem Verwandten. Farblich sind beide Arten einander sehr ähnlich. Beide zeigen über dem Körper eine irisierende Blaufärbung, nur in den Brustflossen nicht. Selbst der grünlich umrandete Kiemendeckelfleck ist bei beiden Arten vorhanden. Je nach Stimmung zeigen die Tiere, deren Männchenfärbung hier beschrieben wird, acht bis elf mehr oder weniger intensiv ausgeprägte Querbinden. In den Afterflossen beider Maulbrüterarten befinden sich einige goldgelb schillernde Eiflecke. Die Gesichtsmaske – ein Muster aus dunklen, oft tiefschwarzen Querstreifen über der Stirn – ist ebenfalls bei beiden Arten zu erkennen. Es sind verschiedene Standortvarianten bekannt, die sich bei den Männchen in unterschiedlicher Flossenfärbung, bei den Weibchen jedoch in Abweichungen der gesamten Körperfärbung ausdrücken. Normalerweise zeigen die Weibchen eine blassere Färbung in der Grundfarbe der männlichen Tiere. Die erwähnten Standortvarianten können jedoch gescheckt und in verschiedener Grundfärbung (grau, gelblich, bläulich, rosè) vorkommen. Haltung und Zucht wie bei der folgenden Art beschrieben. […] Zur Haltung der Fische reicht ein Beckenwasser aus, dessen Gesamthärte sich etwa zwischen 10 und 20° bewegt. Der pH-Wert sollte im Bereich zwischen 7,5 und 8,0 liegen. Es sind bereits Zuchterfolge gemeldet worden, bei denen das Zuchtwasser (angeblich) im sauren Bereich bei 6,5 lag. Das sollte man nicht zur Regel werden lassen. Die Wassertemperatur liegt in den meisten Aquarien mit 24-26° C richtig. Die Tiere sind gute Fresser, die gern fleischliche Kost nehmen. Man soll sich jedoch bei dem Aufwuchsfresser daran erinnern, dass er im heimatlichen Biotop sehr an vegetarische Kost gebunden ist, und darf ein derartiges Futter nicht vergessen [3]. […] In letzter Zeit ist eine Zwischenform aufgetaucht, die weder die Hochrückigkeit von L. fuelleborni noch die schlanke, gestreckte Form von L. trewavasae aufweist. Sie ist noch nicht wissenschaftlich untersucht und somit weder zur einen noch zur anderen Art gestellt worden. Möglicherweise wird der Aquarianer hier auch eines Tages mit einer neuen Art konfrontiert. Die Tiere werden unter verschiedenen Namen angeboten. Sie sind wie ihre Gattungsverwandten mit einem unterständigen Maul ausgestattet. Die Körpergrundfärbung der Männchen ist gelb bis orangegelb, und die unpaaren Flossen sind über der Basis zartblau getönt. In der Anlagen liegen in der hinteren Zone ein bis zwei Eiflecke. Die schwarzen Bauchflossen sind hellblau gerandet. Stimmungsbedingt werden Querbinden und Kopfmaske gezeigt.

 


[1] Mayland, Hans J.: Cichliden und Fischzucht. Landbuch-Verlag GmbH, Hannover 1978. S. 224 f.

[2] Gemeint ist Labeotropheus trewavasae.

[3] Hier könnte leicht der Verdacht aufkommen, dass es sich bei den Labeotropheus fuelleborni um Omnivore handelt. Da aber ihre Hauptnahrung aus Aufwuchs und insofern pflanzlicher Kost besteht, zählen sie zu den Limnivore.

 

Nachstehend ein weiterer sehr interessanter wissenschaftlicher Beitrag vom Malawiexperten Ad Konings:

 

Labeotropheus fuelleborni [1]

Das typische Biotop besteht hauptsächlich aus Felsvorsprüngen und kleinen Inseln, an die die Wellen schlagen. Auch größere Felsen in den oberen Regionen des Biotops sind mit einbezogen. Alle diese Stellen haben ein sedimentfreies Substrat und das Wasser ist in ständiger Bewegung. Wenn die Felsen klein sind, wird die Wucht des Wassers effektiv durch  die vielen Spalten und Höhlen zwischen ihnen abgebremst. Die Oberfläche eines großen Felsens erhält den vollen Schlag einer Welle und nur wenige Mbuna-Arten können während der Brandung von seiner Oberfläche fressen. Der Cichlide mit der deutlichsten Bevorzugung dieses Lebensraumes ist Labeotropheus fuelleborni.

L. fuelleborni wird an jeder Felsenküste beobachtet und nimmt manchmal erfolgreich auch jedes kleine Felsgebiet an Sandstränden ein. Er zeigt zwei Anpassungen an das Leben in diesem Raum. Ein Merkmal teilt er mit seinem Gattungsgenossen L. trewavasae, und zwar ein unterständiges, breites Maul. Wenn man den Fisch von der Unterseite betrachtet, sieht man das Maul als eine gerade Linie über die volle Breite des Kopfes. Bemerkenswert ist auch die fleischige „Nase“, die über das Maul hängt. Das unterständige Maul erlaubt es dem Fisch in einer fast parallelen Position zum Felsen zu fressen. L. fuelleborni steht dabei in einem Winkel von etwa 30 Grad zum Felsen. Nahe am Substrat weidet Labeotropheus den Aufwuchs vom Felsen ab.

Die Nase hat eine spezifische Funktion und ihr Wachstum wird durch regelmäßiges Benutzen stimuliert. Sie dient als Stütze beim Fressen. Sie ermöglicht es dem Fisch, ohne energieverschwendendes Rucken während des Fressens Fadenalgen abzureißen. Dabei schaben die drei und mehr Reihen an dreispitzigen Zähnen auf den beiden Kiefern die fest angewachsenen Algen ab (sie hinterlassen sogar sichtbare Spuren auf dem Felsen). In der Tat ziehen die festgewachsenen Algen den Fisch, wenn er sein Maul schließt, näher an das Substrat heran. Würden nicht die fleischige Nase und sein Kinn, das durch Schwielen verstärkt ist, ihn auf Abstand halten, würde der Fisch zerren müssen, um die Algen abzureißen. Bei Labeotropheus kann das Maul über dem Substrat geschlossen werden, während er noch mit ihm in Kontakt bleibt. Dies spart eine Menge Energie und viele, noch fester gewachsene Algen können auf diese Weise abgegrast werden. L. fuelleborni ist einer der größten Mbuna, was den vorteilhaften Effekt seiner Nase unterstreicht. An Stellen, wo die Turbulenz der Brandung maximal ist, sitzen die Algen sehr fest an den Felsen fest. Daran zu grasen erfordert starke Kiefer, ausgeprägte Nasen und ein starkes Kinn. Labeotropheus, die in solchen Gegenden leben, haben eine größere Nase als Tiere, die von weniger fest angewachsenem Aufwuchs fressen. Das Wachstum der Nase wird durch die Rauhheit des Substrates verstärkt, an das sie dauernd angedrückt wird. Je fester sie gedrückt wird, desto größer wird sie. Und wenn sie größer wird, kann der Fisch in einem noch kleineren Winkel zum Substrat fressen. Eine ähnliche Wachstumsstimulierung wird bei Cichlidenarten mit verdickten Lippen beobachtet. Die beinahe parallele Haltung zum Substrat und der feste Griff seiner Kiefer erlaubt es L. fuelleborni in turbulentem Wasser zu leben.

Das zweite Merkmal, das L. fuelleborni eine stabile Position in diesem Biotop sichert, sit sein seitlich abgeflachter Körper. Zusammen mit einer verlängerten Rückenflosse, die wie ein Steuer fungiert, verhindert dieser, dass der Fisch wackelt. Der seitlich abgeflachte L. fuelleborni ist für ein Leben im Brandungswasser besser ausgerüstet, als der zylindrisch gebaute L. trewavasae.

Die Männchen von L. fuelleborni verteidigen ihre Reviere mit viel Eifer, besonders gegenüber Artgenossen. Weibchen und Männchen ohne Revier sammeln sich in Gruppen und suchen ihre Nahrung in den oberen Bereichen des Biotops. L. fuelleborni ist nicht in der Lage, in Tiefen von mehr als 35 Metern vorzudringen (Ribbink et al., 1983a). Das bedeutet, dass Populationen in zwei Felsgebieten durch tiefes Wasser geradezu isoliert werden. Dies könnte zu den vielen Farbvarianten geführt haben, die von dieser Art bekannt sind.

Die Färbung der Weibchen ändert sich kaum über das ganze Verbreitungsgebiet hinweg. Wegen der besonderen Körperform darf die Färbung weniger wichtig für die Partnererkennung sein. Dies könnte auch erklären, warum orange (O) und orangegefleckte (OB) Varianten bei den Weibchen als auch bei den Männchen vorkommen. Weil das Weibchen einen Artgenossen an seinem Umriss erkennen kann, kann das Ablaichen ohne das Vorhandensein der Brutfärbung des Männchens stattfinden. Natürlich ist dies fern von der normalen Situation, aber dies könnte das seltene Vorkommen von OB-Männchen (Marmelade Cats) erklären. An einigen Stellen kommen bis zu 50 % der Weibchen als OB/O-Varianten vor. Typischerweise ist das dort, wo L. trewavasae nicht lebt, z.B. bei Mbenji Island und Chinyamwezi Island. Bei Mbenji wird manchmal die sehr seltene O-Variante des Männchens beobachtet (Grant, pers. Mittl.). Es gibt auch Gegenden, wo L. fuelleborni in tiefere Regionen vordringt, die normalerweise von L. trewavasae bevorzugt werden. Die orangegefleckten Formen der Weibchen könnten eine Tarnung darstellen, besonders in etwas tieferen Regionen zwischen den Felsen. Diese Färbung kommt viel öfter bei L. trewavasae vor, der in diesen Gegenden ein mehr einsiedlerisches Leben führt.

Was das Laichverhalten betrifft, stellt Labeotropheus bei den Mbuna einen seltenen Fall dar. Es ist von Beobachtungen in Gefangenschaft bekannt, dass die Eier außerhalb des Maules des Weibchens befruchtet werden! Nachdem das Weibchen einige Eier abgelegt hat, befruchtet das Männchen, das ihm beim Kreisen im Nest folgt, die Eier auf dem Substrat. Das Weibchen, das einen großen Kreis dreht, sammelt die Eier bei der zweiten Runde ein und legt sofort eine neue Serie ab. Die Jungfische werden nach drei Wochen zum erstenmal freigesetzt und finden im Maul des Weibchens für mindestens eine weitere Woche Zuflucht (Schoenen, 1979). Die Eiflecken auf der Afterflosse des Männchens sind relativ gesehen die kleinsten von allen Mbuna, wogegen die Eier die größten sind!

 


[1] Ad Konings: Malawicichliden in ihrem natürlichen Lebensraum. Raket B.V., Pijnacker, Holland 1989. S. 48ff.